Es ist kurz vor halb sieben Uhr morgens in Otélé. Während die ersten Sonnenstrahlen die roten Lehmpisten erhellen, versammeln sich bereits die ersten Gläubigen in der Kapelle. Wenige Minuten später beginnt die Messe. Für die Menschen im Dorf ist dieser Tagesbeginn selbstverständlich – und für Abbé Martin seit vielen Jahren gelebter Alltag.
Kamerun ist ein Land des Glaubens: Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind christlich, ein grosser Teil davon katholisch. Religion prägt den Alltag, strukturiert das soziale Leben und ist in vielen Dörfern ein zentraler Bezugspunkt für Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Auch in Otélé zeigt sich dies deutlich. Im Dorf gibt es zwei katholische Kirchen: eine gehört zur Diözese Éséka, einer ländlich geprägten Diözese, die andere zur Erzdiözese Yaoundé mit Sitz in der Hauptstadt Yaoundé und entsprechend stärker städtischem Hintergrund.
Wir haben Abbé Martin, den Pfarrer der Bassa-Gemeinde, kennengelernt und Einblick in seine Arbeit erhalten:
Seit rund einem Jahr wirkt Abbé Martin als katholischer Pfarrer im Dorf, in dem auch unser Wasserprojekt angesiedelt ist. Insgesamt ist er bereits seit 24 Jahren im priesterlichen Dienst tätig. Von Dienstag bis Sonntag feiert er jeweils um 6.30 Uhr die Messe. Zur Pfarrei gehören rund 2’500 Christinnen und Christen. Ein Teil der Liturgie wird auf Französisch gefeiert, wie die Sonntagsmesse um 7.30 Uhr, die besonders bei jungen Menschen beliebt ist, während die Hochmesse um 10.00 Uhr in der lokalen Sprache stattfindet. Die Gottesdienste werden je nach Anlass in der kleinen Kapelle oder der grossen Kirche gefeiert.
Seine Aufgaben reichen weit über die Feier von Messen und Sakramenten wie Taufen oder Trauungen hinaus. Abbé Martin verwaltet die Mietshäuser der Kirche und engagiert sich für die Wiederaufforstung des Waldes rund um das Kirchenareal. Zudem steht nach dem Umbau die feierliche Weihe der Kirche bevor.
Besonders wichtig ist ihm die Gemeinschaft. So organisiert er Religionsunterricht für Kinder, möchte Jugendlichen einen Computer zum Üben zur Verfügung stellen und schafft mit Sport- und Musikanlässen Begegnungsorte für das Dorf. Gleichzeitig ist er für viele Menschen eine wichtige Anlaufstelle, sei es für ein persönliches Gespräch, Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen oder ein gemeinsames Gebet.
Auf die Frage, was ihn an seiner Arbeit besonders erfüllt, antwortet Abbé Martin schlicht: «Ich fühle mich hier wie in einer Familie.» Sein grösster Wunsch ist, dass dieses starke Gemeinschaftsgefühl noch lange erhalten bleibt.


